Verpackung / Schnitt / neue Ordnung
RE:PACKAGED
Metamorphose
der Langeweile
Ich kam mit der einfachen Absicht, aus Abfall etwas Neues zu bauen. Spannend wurde der Versuch erst, als ich aufhörte, das Alte zu verbergen. Die Verpackung durfte widersprechen, werben, knicken und trotzdem zu meinem Material werden.
01 · Gefunden
Die Oberfläche
war schon da.
Ich wählte nicht einfach Karton. Ich wählte bereits gedruckte Behauptungen: Biermarke, Katze, Zahlen, rote Fläche. Jede davon brachte eine eigene Tonlage mit. Meine Aufgabe war nicht, alles zu retten. Ich musste herausfinden, welche Fragmente noch genug Energie für eine neue Beziehung hatten.
- Träger
- Karton
- Vorgefunden
- Bild, Schrift, Falz
- Mein Eingriff
- Auswählen
02 · Zerlegt
Schneiden heisst
neu gewichten.
Mit jedem Schnitt wurde die Schachtel weniger eindeutig. Genau das war produktiv. Eine Lasche konnte plötzlich Gelenk sein, ein Falz wurde zur Bewegungsachse, eine bedruckte Seitenwand zum Gesicht. Ich begann nicht mit einer fertigen Figur. Ich reagierte auf das, was nach jedem Eingriff übrig blieb.
Der Schnitt löscht die Herkunft nicht. Er zwingt mich nur, sie anders zu lesen.
03 · Werkstatt als Denkmaschine
Die Geräte
denken mit.
Ich hatte die Maschinen zuerst als Kulisse gesehen. Beim Fotografieren merkte ich, dass jede von ihnen eine Handlung vorschlägt. Pressen, rollen, schneiden, einziehen, stapeln. Die Werkstatt formt nicht nur Material. Sie formt den Rhythmus, in dem Entscheidungen entstehen.
Am Bildschirm kann ich einen Schritt zurückgehen. Hier kostet eine Entscheidung Material, Kraft und Zeit. Gerade deshalb wird sie deutlicher. Die Geräte denken nicht für mich, aber sie zwingen mich, genauer zu entscheiden.
04 · Gefügt
Aus Verpackung
wird Gegenüber.
Meine erste Konstruktion war zu brav. Sie stand, aber sie sagte noch wenig. Ich verschob die Achsen, stellte Flächen auf und setzte gebogene Streifen als Widerlager ein. Dabei suchte ich keine perfekte Skulptur. Mich interessierte eine Form zwischen Körper, Träger und improvisiertem Zeichen.
Die Verbindung sollte halten und trotzdem zeigen, dass sie ausprobiert wurde.
05 · Neu gelesen
Die Etiketten
werden zu Stimmen.
Extra, Karma, die Acht und das Bild der Katze waren zunächst zufällige Bestandteile verschiedener Verpackungen. Ich habe keine neue Bildwelt darübergelegt. Ich habe die vorhandene Sprache geschnitten, gedreht und verschoben. In der neuen Ordnung wirken die Fragmente wie Name, Gelenk, Index und Figur.
06 · Resonanzen
Andere Arbeiten
verschoben meinen Blick.
Ich fotografierte in der Werkstatt nicht nur meinen eigenen Prozess. Mich interessierte, welche Regeln in den Arbeiten ringsum sichtbar wurden. Die folgenden Werke sind nicht von mir. Ihre Urheberschaft ist in meinem Fotoarchiv nicht eindeutig dokumentiert. Ich zeige sie als Beobachtungen, nicht als Teil meiner Autorschaft.
Am stärksten war für mich nicht ein einzelnes Motiv, sondern die Bandbreite. Serie, Buch, Farbfeld, kräftiger Kontrast und scheinbar beiläufige Spur konnten gleichwertige Entscheidungen sein.
Mein Schluss: Ich musste nicht so tun, als wäre die Verpackung neutral. Ich konnte ihre fremde Sprache stehen lassen und nur ihre Grammatik verändern.
Kontext / Dokumentation
Der Ort war Teil
des Denkens.
Entstanden im Rahmen des Workshops bei Benjamin Richli (Kunsttage Basel / ELEVEN TEN STUDIO). Das Objekt wurde dem Kurator übergeben.
07 · Reflexion
Nicht recycelt.
Neu gelesen.
Ich habe die Verpackung nicht neutralisiert und nicht versteckt. Ich habe ihre vorhandene Sprache geschnitten, gedreht und neu gewichtet. Die Arbeit zeigt, dass Bedeutung nicht gelöscht, sondern umgeordnet werden kann. Der Widerstand des Materials bleibt sichtbar — und genau das interessiert mich.