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Objektstudie · Dmytro Hlukh

05

Verpackung / Schnitt / neue Ordnung

RE:PACKAGED

Metamorphose
der Langeweile

Ich kam mit der einfachen Absicht, aus Abfall etwas Neues zu bauen. Spannend wurde der Versuch erst, als ich aufhörte, das Alte zu verbergen. Die Verpackung durfte widersprechen, werben, knicken und trotzdem zu meinem Material werden.

Das fertige Objekt aus einer Bierverpackung, Kartonstreifen, Schlaufen und ausgeschnittenen Etiketten
Finales Objekt · gefundene Kartonverpackung
GefundenZerlegtWerkstattGefügtNeu gelesen

01 · Gefunden

Die Oberfläche
war schon da.

Ich wählte nicht einfach Karton. Ich wählte bereits gedruckte Behauptungen: Biermarke, Katze, Zahlen, rote Fläche. Jede davon brachte eine eigene Tonlage mit. Meine Aufgabe war nicht, alles zu retten. Ich musste herausfinden, welche Fragmente noch genug Energie für eine neue Beziehung hatten.

Träger
Karton
Vorgefunden
Bild, Schrift, Falz
Mein Eingriff
Auswählen
Auswahl verschiedener gebrauchter Verpackungen und Kartonflächen auf dem Arbeitstisch
Materialbank: nicht leer, sondern bereits visuell aufgeladen.
Frühe Konstruktion aus einer geöffneten Verpackung und zwei gekreuzten Kartonstreifen
Schnitt trennt Funktionen, aber nicht Erinnerungen.

02 · Zerlegt

Schneiden heisst
neu gewichten.

Mit jedem Schnitt wurde die Schachtel weniger eindeutig. Genau das war produktiv. Eine Lasche konnte plötzlich Gelenk sein, ein Falz wurde zur Bewegungsachse, eine bedruckte Seitenwand zum Gesicht. Ich begann nicht mit einer fertigen Figur. Ich reagierte auf das, was nach jedem Eingriff übrig blieb.

Der Schnitt löscht die Herkunft nicht. Er zwingt mich nur, sie anders zu lesen.

03 · Werkstatt als Denkmaschine

Die Geräte
denken mit.

Ich hatte die Maschinen zuerst als Kulisse gesehen. Beim Fotografieren merkte ich, dass jede von ihnen eine Handlung vorschlägt. Pressen, rollen, schneiden, einziehen, stapeln. Die Werkstatt formt nicht nur Material. Sie formt den Rhythmus, in dem Entscheidungen entstehen.

Am Bildschirm kann ich einen Schritt zurückgehen. Hier kostet eine Entscheidung Material, Kraft und Zeit. Gerade deshalb wird sie deutlicher. Die Geräte denken nicht für mich, aber sie zwingen mich, genauer zu entscheiden.

Historische Druckpresse in einem ruhigen Bereich der Werkstatt
Hebel / Gewicht / FlächeGrosse Kräfte verlangen klare Positionen.
Dunkle Handpresse neben einem Gestell mit trocknenden Papieren
Druck / Ruhe / TrocknenNicht jeder Schritt ist sichtbar. Manches Resultat entsteht im Warten.
Hohe grüne Spindelpresse in der Druckwerkstatt
Spindel / Stapel / VerdichtungWiederholung kann Präzision sein, nicht Routine.
Papierschneidemaschine mit grosser hölzerner Auflagefläche
Schnitt / Kante / EntscheidungEine Kante ist kein Finish. Sie bestimmt, wie ein Teil gelesen wird.
Nahaufnahme mehrerer Metallwalzen einer Druckmaschine
Walze / Farbe / WiederholungGleichmässigkeit ist ausgehandelt, nicht automatisch.
Druckmaschine mit grossem Handrad und ausgelegten Druckbögen
Einzug / Rhythmus / SerieDie Maschine gibt einen Takt vor und macht Abweichungen sichtbar.

04 · Gefügt

Aus Verpackung
wird Gegenüber.

Meine erste Konstruktion war zu brav. Sie stand, aber sie sagte noch wenig. Ich verschob die Achsen, stellte Flächen auf und setzte gebogene Streifen als Widerlager ein. Dabei suchte ich keine perfekte Skulptur. Mich interessierte eine Form zwischen Körper, Träger und improvisiertem Zeichen.

Die Verbindung sollte halten und trotzdem zeigen, dass sie ausprobiert wurde.
Aufgerichtetes Zwischenstadium des Objekts mit gekreuzten Kartonflächen
Zwischenstand: Körper, Achse, Richtung.
Das Objekt freistehend auf einer weissen Fläche vor einem Archivregal
Probe im Raum: Die Konstruktion muss ohne Hand im Bild bestehen.
Frontaler Blick auf das Objekt mit den sichtbaren Fragmenten Extra, Karma und der Ziffer acht
Vorgefundene Zeichen, von mir neu hierarchisiert.

05 · Neu gelesen

Die Etiketten
werden zu Stimmen.

Extra, Karma, die Acht und das Bild der Katze waren zunächst zufällige Bestandteile verschiedener Verpackungen. Ich habe keine neue Bildwelt darübergelegt. Ich habe die vorhandene Sprache geschnitten, gedreht und verschoben. In der neuen Ordnung wirken die Fragmente wie Name, Gelenk, Index und Figur.

ExtraKopfzeichen KarmaAchspunkt 8Front / Index KartonKörper

06 · Resonanzen

Andere Arbeiten
verschoben meinen Blick.

Ich fotografierte in der Werkstatt nicht nur meinen eigenen Prozess. Mich interessierte, welche Regeln in den Arbeiten ringsum sichtbar wurden. Die folgenden Werke sind nicht von mir. Ihre Urheberschaft ist in meinem Fotoarchiv nicht eindeutig dokumentiert. Ich zeige sie als Beobachtungen, nicht als Teil meiner Autorschaft.

Am stärksten war für mich nicht ein einzelnes Motiv, sondern die Bandbreite. Serie, Buch, Farbfeld, kräftiger Kontrast und scheinbar beiläufige Spur konnten gleichwertige Entscheidungen sein.

Viele unterschiedliche Drucke liegen zur gemeinsamen Betrachtung auf einem Werkstatttisch
SerieErst nebeneinander werden kleine Unterschiede zu einer Aussage.
Mehrere blaue kreisförmige Arbeiten hängen über Regalen mit Werkstattmaterial
VariationWiederholung löscht Unterschiede nicht. Sie macht sie messbar.
Zwei aufgeklappte Künstlerbücher mit Vogelmotiven liegen auf einer Arbeitsfläche
SequenzDurch Faltung und Reihenfolge wird ein Bild zum räumlichen Objekt.
Leises grünliches und terrakottafarbenes Druckfeld auf handwerklich wirkendem Papier
SpurEin leises Farbfeld kann Bedeutung tragen, ohne etwas abzubilden.
Kräftiger Druck in Gelb, Blau und Schwarz mit figurativen Formen
KontrastEine begrenzte Palette kann lauter sprechen als viele Farben.
Mein Schluss: Ich musste nicht so tun, als wäre die Verpackung neutral. Ich konnte ihre fremde Sprache stehen lassen und nur ihre Grammatik verändern.

Kontext / Dokumentation

Der Ort war Teil
des Denkens.

Entstanden im Rahmen des Workshops bei Benjamin Richli (Kunsttage Basel / ELEVEN TEN STUDIO). Das Objekt wurde dem Kurator übergeben.

Überblick einer Druckwerkstatt mit Druckmaschine, Setzkästen und Trockengestell
Druckwerkstatt · Arbeitsumfeld
Kurator Benjamin Richli mit dem geschenkten Haus-Mühlen-Objekt
Übergabe: Benjamin Richli mit dem geschenkten Haus-Mühlen-Objekt

07 · Reflexion

Nicht recycelt.
Neu gelesen.

Ich habe die Verpackung nicht neutralisiert und nicht versteckt. Ich habe ihre vorhandene Sprache geschnitten, gedreht und neu gewichtet. Die Arbeit zeigt, dass Bedeutung nicht gelöscht, sondern umgeordnet werden kann. Der Widerstand des Materials bleibt sichtbar — und genau das interessiert mich.

Frontaler Überblick des fertigen RE:PACKAGED Objekts auf einer weissen Fläche
Finale DokumentationRE:PACKAGED